Hamburger Kooperation plant vier neue NOK-Feeder

Das Unternehmen Kontor 17 MPM will mit einem neuen Schiffsdesign von Technolog und politischer Unterstützung mindestens vier neue Feeder-Schiffe realisieren.

Das Ingenieurbüro Technolog aus Hamburg hat ein neues Containerschiffskonzept mit Eisklasse 1A entwickelt, das für den Verkehr durch den Nord-Ostsee-Kanal optimiert ist.

»Das neue Design kann mehr Container durch den NOK befördern als derzeit jedes andere Schiff, und ist darauf ausgelegt, die im Short-Sea Verkehr verbreiteten 45‘ Container zu befördern. Dabei können die Abgasemissionen durch modernste Maschinen, optimierte Routenplanung und alternative Kraftstoffe um bis zu 65% reduziert werden«, hieß es jetzt bei der Präsentation des Konzepts.

Als Partner ist Kontor 17 MPM mit an Bord. Die Verantwortlichen setzen auf die Leistungsfähigkeit des neuen Designs und beabsichtigen vier Neubauten in Fahrt zu bringen. Dem Vernehmen nach gibt es sowohl auf dem Chartermarkt als auch bei potenziellen Finanzpartnern Interesse an dem Projekt. 

Unterstützung von Rüdiger Kruse

Bei einem Präsentationstermin unter Corona-Bedingungen hat sich der CDU Bundestags-abgeordnete Rüdiger Kruse von den Vorteilen des neuen Designs berichten lassen. »Die Schiffe die heute geplant und gebaut werden, werden die nächsten drei Jahrzehnte die weltweiten Transporte bewerkstelligen. Daher müssen sie schon jetzt die Klimaschutzziele der 30er und 40er Jahre erfüllen. Ich bin froh, dass Hamburger Unternehmen an der Spitze der Entwicklung der Zukunftsschiffe stehen.« Kruse ist als Förderer der maritimen Industrie bekannt und hat in der Vergangenheit mehrfach für finanzielle Unterstützungen seitens des Bundes vorangetrieben, nicht zuletzt bei der Rückkehr der historischen »Peking« nach Hamburg.

»Ich bin froh, dass Hamburger Unternehmen an der Spitze der Entwicklung der Zukunftsschiffe stehen.«

Rüdiger Kruse, Mitglied im Haushalt- und im Umweltausschuss des Bundestags sowie Beauftragter der CDU/CSU-Fraktion für die maritime Wirtschaft 

Technolog-Geschäftsführer Hans-Jürgen Voigt freute sich über die politische Unterstützung und hofft, dass sie in den kommenden Jahren verstetigt und verstärkt werden kann: »Die Entwicklung für die Schifffahrt der Zukunft findet hier statt, das Potenzial ist da, mit dem Mittelstand als Rückgrat.« Die »Makers List« soll zu mindestens 30% deutsche Subunternehmen umfassen.

Das jetzt entwickelte Konzept sieht ein mit LNG betriebenes Schiff mit einer Länge von 170m, einer Breite von 32,20m und einem Tiefgang von 9,5m vor. Die Länge wurde so gewählt, dass die bedeutendsten Häfen im baltischen Raum problemlos angelaufen werden können. Die Anordnung des Deckshauses im Vorschiff ermöglicht zudem eine Containerstauung ohne Sichtstrahlrestriktionen. Alles in allem verfügt das Schiff über eine Kapazität von 2.000 TEU und trägt 1.650 TEU á 14 Tonnen. Als ein »besonderes Alleinstellungsmerkmal« betonen die Beteiligten die Fähigkeit 950 palettenbreite 45‘ High-Cube-Container aufnehmen zu können – diese Containergröße ist sehr weit verbreitet im Ostsee-Verkehr. Auch sind 450 Stellplätze für Reefer-Container vorgesehen. Durch eine optimierte Rumpfform, den Einbezug von Strukturoptimierung und den gewählten Hauptabmessungen des Konzepts soll das Eigengewicht des Schiffs reduziert werden, so dass sich nicht zuletzt der Widerstand und der Verbrauch senken lassen können.

 

Anpassung an Struktur aus Ausrüstung

»Durch die Wahl eines der effizientesten Motoren, LNG als Brennstoff und der Option die Reisen zum Teil auf Wasserstoff fahren zu können, können die Emissionen im Vergleich zur bestehenden Flotte erheblich gesenkt werden. Zudem werden Systeme zur Wärmerückgewinnung aus dem Kühlwasser und dem Abgas eingesetzt, um den energieeffizienten Ansatz zu optimieren«, heißt es weiter. Auch eine Integration von Batterien, etwa für bestimmte Energiebedarfe im Hafen, ist denkbar.

Als einer der größten Einsparungseffekte hinsichtlich Verbrauch und Emissionen wird die angepasste Höchstgeschwindigkeit bewertet. So sei die Leistung des Hauptmotors im Vergleich zu fahrenden Schiffen in dieser Größe fast halbiert worden. Geplant ist der Einsatz von einem hochmodernen, sehr effizienten und emissionsarmen Zwei-Takt-Motor mit 9.950 kW. Für eine höchstmögliche Flexibilität im täglichen Schiffsbetrieb wird auf ein PTI-System gesetzt, durch das die Höchstgeschwindigkeit auf 18 kn erhöht werden kann.

Durch die gewählte Konfiguration der Hauptmaschine und den genutzten Systemen zur Energieerzeugung ist es im normalen Schiffsbetrieb möglich, die benötigte Energie für die installierten Systeme, die Hotellast und die Kühlcontainer ohne die installierten Hilfsmaschinen zu erzeugen. 

Deutlich weniger Emissionen

Das neue Design und die gewählten Antriebskomponenten ermöglichen so beispielsweise die Reduktion der CO2 Emissionen um bis zu 65% oder der SOX Emissionen um bis zu 90%. So will man einen Beitrag dazu leisten, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in der Schifffahrt umzusetzen. Nicht zuletzt deshalb nahm Kruse an der Präsentation teil. Er ist Mitglied im Haushalt- und im Umweltausschuss sowie Beauftragter der CDU/CSU-Fraktion für die maritime Wirtschaft und konnte sich so ein Bild über die neuesten Fortschritte im maritimen Umfeld Hamburgs machen.

Kontor 17 MPM unterstützt die Entwicklung der Schiffe und bringt die Expertise aus dem Schiffsbetrieb ein. »Aufgrund der Überalterung der Flotte sind die Schiffe ein richtiger und wichtiger Schritt zur Erneuerung der Flotte und zur Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks und tragen damit auch zum Erhalt des Schifffahrtsstandortes Hamburg bei«, so die Mitteilung. Geplant ist, dass die Schiffe nach Fertigstellung in das Management von Kontor 17 MPM übergehen. Die kommerzielle Vermarktung erfolgt durch Continental Chartering aus Hamburg.